Angeblich gelbgesperrter Spieler

Angeblich gelbgesperrter Spieler

13. März 2018 Aus Von Dr. Mark Wachowsky

Der Fall:

Ein kurioser Sportrechtsfall ereignete sich im Jahr 2010 in der 3. Liga des DFB. Einen Einblick gibt zunächst ein Artikel aus dem Onlineportal der Süddeutschen Zeitung vom 02.05.2010:

Leipzig (dpa) – Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes wird im Aufstiegskampf der Drittligisten zum Zünglein an der Waage. Am 3. Mai entscheidet das Gremium in Frankfurt/Main über einen Einspruch von Carl Zeiss Jena gegen die Wertung des mit 1:2 verlorenen Heimspiels gegen den 1. FC Heidenheim.

Nach Ansicht der Jenaer hatte der Gegner in Martin Klarer einen Spieler eingesetzt, der nach zehn Gelben Karten gesperrt gewesen sein sollte. Folgt das Sportgericht dieser Ansicht, würde die Partie mit 2:0 Toren und drei Punkten für die Thüringer gewertet. Diese würden mit dann 63 Zählern vor dem letzten Spieltag punktgleich mit dem Drittplatzierten FC Ingolstadt den Relegationsplatz zur 2. Bundesliga noch zum Greifen nahe haben.

Der DFB wollte keine Stellungnahme zum Fall abgeben, der für alle Beteiligten verwirrend ist. Hintergrund: Klarer hatte im Spiel gegen Eintracht Braunschweig am 3. Oktober 2009 die Gelbe Karte gesehen. Dafür gibt es Foto- und Video-Beweise. Im Spielberichtsbogen tauchte der Name Klarer allerdings nicht auf. In zahlreichen Statistiken allerdings schon. Auch Heidenheim schien ihn als verwarnt zu führen, denn nach der fünften Verwarnung am 25. Spieltag gegen den FC Erzgebirge Aue setzte er im anschließenden Spiel in Erfurt aus.

Selbst auf der DFB-Homepage wurde Klarer vor dem Jena-Spiel als nach zehn Gelben Karten gesperrt geführt. «Bindend ist der Spielberichtsbogen. Beide beteiligten Vereine zeichnen diesen ab», hatte DFB-Sprecher Stephan Brause am Montag nach Eingang des Protests gesagt. Dem widersprach der Weltverband FIFA nach Angaben des Mitteldeutschen Rundfunks: Eine Tatsachenentscheidung gäbe es nur während des Spiels, nicht danach.

So schauen nicht nur die Verantwortlichen des FC Carl Zeiss Jena auf die Verhandlung des Sportgerichtes, sondern auch der VfL Osnabrück, der FC Ingolstadt und Eintracht Braunschweig. Denn mit einem Schlag könnte die Tabelle der 3. Liga vor den letzten 90 Minuten ein völlig anderes Bild und der Aufstiegskampf eine neue Qualität erhalten.

© sueddeutsche.de – erschienen am 02.05.2010 um 13:34Uhr

Die Entscheidung:

Das DFB Sportgericht entschied den Fall zu Gunsten des 1. FC Heidenheim und verwies auf die bereits im Artikel erwähnte Tatsachenentscheidung. Entscheidend sei der Spielberichtsbogen, der das Geschehen festhält und von beiden Mannschaften unterzeichnet wird.

Der Kommentar:

Die Entscheidung des DFB-Sportgerichts verwundert wieder einmal auf den ersten Blick. Das Fernsehen bewies doch eindeutig, dass Klarer die gelbe Karte erhalten hatte. Durch den Nichteinsatz nach dem 24. Spieltag zeigte der FC Heidenheim selbst, dass sie von der Vergabe der Karte an Klarer ausgingen.

Trotzdem hat das Gericht hat mit dem sturen Verweis auf den Spielberichtsbogen meiner Meinung nach juristisch gesehen aber wohl recht. Denn genau für einen solchen Fall wird dieser ausgefüllt und von den Mannschaften „abgesegnet“. Er soll einen „Schlusspunkt“ setzen und das Tatsachengeschehen unmittelbar nach Spielende festhalten.

Eine andere Entscheidung würde jegliche Bedeutung des Spielberichtsbogens zu Nichte machen und Tür und Tor für nachträgliche Beschwerden der Mannschaften öffnen. Für die Verantwortlichen besteht nach Spielende die Möglichkeit, den Bericht zu prüfen. Tun sie dies verantwortungsvoll genau und haben nichts zu bemängeln, so darf kein Raum für eine nachträgliche andere Bewertung des Geschehens verbleiben. Der Umstand, dass durch die mediale Präsenz der oberen Ligen viele Vergehen und Umstände per „Videobeweis“ nachträglich bewiesen werden können, kann an der formalen Bewertung nichts ändern. Das DFB-Sportgericht musste entsprechend entscheiden.