„Das Spielen mit Rangebällen auf dem Platz ist Diebstahl!“…..?

9. Januar 2019 Aus Von Dr. Mark Wachowsky

„Das Spielen mit Rangebällen auf dem Platz ist Diebstahl“ heißt es auf einer Tafel  am Ballautomaten in unserem Club. Ich frage mich jedes mal beim Lesen: „Wer will das denn überhaupt?“ Gibt es eine größere Strafe für einen Scotty Cameron oder Kramski als einen „One-Piece“-Ball Richtung Loch zu putten? Alleine das Geräusch im Treffmoment verursacht bereits Hautirritationen.

Aber gut, das Schild wird dort nicht ohne Grund hängen. Der davon mehr oder weniger eingeschüchterte Putterverletzer wird beim Blick in das deutsche Strafgesetzbuch feststellen, dass bei einfachem Diebstahl auf eine Strafe von Geldstrafe bis zu 3jähriger Haftstrafe erkannt werden kann. Aber muss sich der Delinquent überhaupt Sorgen machen, als Dieb verfolgt zu werden?

Diebstahl ist nach der Definition der Strafrechtler die „Wegnahme einer fremden beweglichen Sache in der Absicht sich diese selbst oder einem anderen zuzueignen“. Schlimm diese Juristen!!

Es wird noch schlimmer. Der Definitionswahn geht nämlich noch weiter: Die Zueignungsabsicht unterteilt sich nun in die Absicht, sich den Ball zumindest für einen vorübergehenden Zeitraum seinem Gewahrsam „anzueignen“ und zweitens den ursprünglichen Gewahrsamsinhaber, sprich den Golfplatzbetrieb, für immer aus der Gewahrsamsposition zu „enteignen“.

Genau das ist aber das Problem beim Rangeballklau: Landet der Ball während der Runde im Wasserhindernis oder auf dem benachbarten Ponyhof hat es schnell ein Ende mit der Zueignung. Ist unser „Dieb“ nun ein narzisstisch geprägter Singlehandicapper, dessen Bälle in seiner Erinnerung noch niemals ein Wasserhindernis von Innen gesehen haben, so wird sich dieser immer verteidigen, indem er vor Gericht aussagt: „Für mich war vollkommen ausgeschlossen, dass ich den Rangeball auf der Runde verlieren könnte, ich wollte damit die Runde beenden und ihn dann wieder in den sicheren Schoß der Rangeballwiese entlassen!“ Jetzt steht der Strafrechtler etwas verdutzt da und weiß nicht mehr weiter. Denn Recht hat der Singlehandicapper! Diebstahl ist das nicht mehr; es fehlte die Absicht, den Golfplatz für immer um seinen Ball zu bringen. Dass unser selbstbewusster Freund wahrscheinlich der Erste im Flight sein wird, der das verbotene Wort mit den Anfangsbuchstaben „PROVI…“ sagen wird, ist unerheblich! Was zählt ist sein Wille, seine innere Vorstellung im Zeitpunkt der Mitnahme des Balles von der Übungswiese.

Schlechter dran ist dagegen der ewig hadernde Handicap-18er, der in jeder Feierabend-Sunset Runde die 80 bricht, beim Monatsbecher aber stets das eine oder andere Malheur einsammelt und mit ins Clubhaus bringt. Denn er geht ja bereits am Abend vor der Runde im Bett die Wassertümpel des Platzes durch, die er am Folgetag wohl heimsuchen wird. „Pech gehabt“, sagt der strenge Strafrechtler: Endgültige Enteignung des Golfplatzbetriebes an seinem Rangeball zumindest „billigend in Kauf genommen“. Also nicht nur golferisch in einer Sackgasse, nein auch noch ein Dieb!

Was bleibt festzuhalten bei diesen ganzen schrecklichen Definitionen? Der Satz am Ballautomat soll abschrecken, ist juristisch aber nicht ganz korrekt. Denn nicht das Spielen mit dem Rangeball auf dem Platz ist Diebstahl, sondern das Mitnehmen, wenn ich es zumindest für möglich halte, dass der Ball nicht wieder zu seinen Kameraden auf die Range zurückgelangt.

Wie aber ist dann das alleinige Spielen mit dem Rangeball auf dem Platz, oder das immer wieder beobachtete Einpacken der Rangebälle für den nächsten Übungswiesenbesuch juristisch zu beurteilen? Fragen über Fragen, die zu beantworten aber vielleicht gar nicht so wichtig sind, wie die menschlich, moralischen Abgründe, die diese Handlungen auf dem Golfplatz zu Tage tragen! Aber das ist wieder ein ganz anderes Thema…..